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Restharn

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,
Die Medizin entwickelt sich rasend schnell und kann vieles leisten. Sie wird aber auch immer komplizierter und dadurch oft unverständlich. Das verträgt sich nicht mehr mit dem heutigen grossen Informationsbedarf. Dieses Blatt soll Ihnen in knapper Form das Wichtigste zu dem oben rechts genannten Begriff erklären und das Gespräch mit dem Arzt ergänzen. Da es das persönliche Gespräch niemals ersetzen soll, bitte ich Sie bei Unklarheiten nachzufragen.

Prof. Dr. T. Gasser, Chefarzt Urologische Universitätsklinik beider Basel

Was ist Restharn und wie wird er bestimmt?

Restharn oder Restwasser ist diejenige Menge Urin, die nach dem Urinieren in der Blase zurückbleibt. Bestimmt wird die Menge mit einer Ultraschalluntersuchung, seltenerweise mit einem feinen Katheter durch die Harnröhre.

Weshalb wird der Restharn bestimmt?

Restharn als solcher ist nicht gefährlich solange keine Infektion vorliegt. Erhöhter Restharn ist aber Ausdruck einer gestörten Blasenentleerung. Die häufigste Ursache für die gestörte Blasenentleerung ist eine Abflussbehinderung unterhalb der Blase z.B. durch eine Prostatavergrösserung oder eine Harnröhrenverengung. Es kann aber auch sein, dass bei normalen Abflussverhältnissen der Blasenmuskel nicht kräftig genug ist, die Blase vollständig zu entleeren.

Wie geht das vor sich?

Sie werden aufgefordert auf normalen Wege die Blase vollständig zu entleeren. Anschliessend wird in Rückenlage mit einem Ultraschallgerät völlig schmerzlos vom Bauch her die Menge Urin in der Blase bestimmt. Die Berechnung der Restharnmenge erfolgt automatisiert. Bei unklaren Werten muss sehr selten die Restwassermenge mit einem feinen Katheter durch die Harnröhre bestimmt werden.

Was sagt der Restharn aus?

Der Restharn ist Ausdruck einer gestörten Blasenentleerung, sei es durch behinderten Abfluss, sei es durch zu schwache Blase. Die Messgenaugkeit ist nur auf ca. 20 Milliliter genau, was aber völlig genügend ist . Die Restwassermenge kann zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich sein. Der Restharn ist also nicht absolut zu betrachten, sondern nur als ein Teil in der Beurteilung der Blasenfunktion.

Was sagt der Restharn nicht aus?

Der Restharn ist ein unspezifisches Zeichen und gibt keinen Hinweis auf die Ursache der Erkrankung. Obwohl bei einer Prostatavergrösserung erhöhter Restharn gefunden werden kann, lässt umgekehrt Restharn alleine nicht auf eine Prostatavergrösserung schliessen.
Normalerweise ist die Blase nach dem Urinieren ganz leer. Es gibt keinen allgemeingültigen "Normwert" sondern die Restharnmenge muss individuell beurteilt werden. Generell gelten Werte bis 100ml als noch akzeptabel, Werte darüber als abklärungsbedürftig. Nicht selten werden aber auch höhere Werte akzeptiert, vor allem wenn keine Beschwerden vorliegen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist bei Werten über 400 - 500 ml (4-5 dl) eine Kathetereinlage nötig.

Was spüre ich?

Die Ultraschalluntersuchung ist völlig schmerzlos und sie spüren lediglich die Berührung der Ultraschallsonde über der Blasengegend. Der Restharn kann ausser mit Ultraschall auch mit einem feinen Einmalkatheter bestimmt werden. In diesem Fall wird die Harnröhre unempfindlich gemacht.